Gut & Umgestellt
“Schreib mal wieder…” Nachgefragt: Damaris Wagener über eine Postaktion der youngcaritas in der stationären Altenpflege

Für vie­le Men­schen, die im Se­nio­ren- oder Pfle­ge­heim le­ben, ist der Be­such der An­ge­hö­ri­gen eine will­kom­me­ne Ab­wechs­lung und Hö­he­punkt des All­tags. Doch die Aus­wir­kun­gen der Co­ro­na-Kri­se ver­än­dern den Ak­ti­ons­ra­di­us der Bewohner*innen. Be­such ist nur in Aus­nah­me­fäl­len mög­lich und auch Ak­ti­vi­tä­ten au­ßer­halb, wie bei­spiels­wei­se Spa­zier­gän­ge im Frei­en, sind der­zeit nicht ganz un­pro­ble­ma­tisch. Da­mit die Se­nio­rin­nen und Se­nio­ren nicht von Ein­sam­keit be­trof­fen sind, hat young­ca­ri­tas die Post­ak­ti­on „Schreib mal wie­der“ ge­star­tet und lädt In­ter­es­sier­te zum Mit­ma­chen ein!

Wie geht es Ihnen als youngcaritas in dieser Corona-Zeit?

Für uns ist die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on na­tür­lich eine gro­ße Um­stel­lung. So muss­ten bei­spiels­wei­se die re­gel­mä­ßi­gen Näh­ter­mi­ne im Up­cy­cling Pro­jekt *ver­giss­mein­nicht* ab­ge­sagt wer­den und ge­plan­te Ak­tio­nen mit den Teil­neh­men­den im in­ter­kul­tu­rel­len Pro­jekt „Kul­tur­bud­dys“, wie das mo­nat­li­che Boul­dern, kön­nen zu­nächst nicht mehr statt­fin­den. Wir ver­su­chen die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on zu nut­zen, um neue krea­ti­ve Lö­sun­gen zu fin­den und auch di­gi­ta­le Mög­lich­kei­ten wahr­zu­neh­men. So ha­ben wir be­reits ei­nen vir­tu­el­len Mu­se­ums­be­such ver­an­stal­tet, ru­fen zum Be­helfs-Stoff­mas­ken-Nä­hen auf und un­se­re „Schreib mal wie­der“ Brief­ak­ti­on ist ge­star­tet.

Seit wann gibt es „Schreib mal wieder“ und wie ist die Projektidee entstanden?

Damaris Wagener

Als klar war, dass alle auf per­sön­li­chen Kon­takt aus­ge­leg­ten Ak­tio­nen für ei­nen be­stimm­ten Zeit­raum nicht mehr statt­fin­den kön­nen, ha­ben wir uns zu­sam­men­ge­setzt und über­legt, durch wel­che Ak­tio­nen wir auf krea­ti­ve Art und Wei­se den­noch Men­schen zu­sam­men­brin­gen kön­nen. Ins­be­son­de­re für Be­woh­ner*in­nen von Pfle­ge- und Seni­or*in­nen­hei­men ist der Kon­takt zu Per­so­nen au­ßer­halb der Ein­rich­tung in die­sen Ta­gen sehr ein­ge­schränkt.

Uns kam die Idee der Post­ak­ti­on, an der jede Per­son auch von zu Hau­se aus teil­ha­ben kann und so ge­gen Ein­sam­keit in Zei­ten von Co­ro­na wirkt. Dies ist ein ein­fa­cher Weg, um Ver­bin­dung hal­ten zu kön­nen, auf­zu­mun­tern und Freu­de in den All­tag zu brin­gen.

Wer kann mitmachen? Alle, nicht nur junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren …

Der Auf­ruf rich­tet sich an alle, die Lust ha­ben krea­tiv zu wer­den. Un­ter den Teil­neh­men­den sind Schü­ler und Schü­le­rin­nen, die ihre Schul­pau­se sinn­voll nut­zen. Auch äl­te­re Men­schen, die teil­wei­se selbst zur Ri­si­ko­grup­pe ge­hö­ren, mel­den sich zum Mit­ma­chen. Zu­dem möch­ten sich auch Un­ter­neh­men mit ih­ren Mit­ar­bei­ten­den en­ga­gie­ren. Wir freu­en uns, dass wir mit der Ak­ti­on auch Men­schen au­ßer­halb un­se­rer ei­gent­li­chen Ziel­grup­pe von jun­gen Men­schen zwi­schen 16 und 30 Jah­ren an­spre­chen und zum Mit­ma­chen mo­ti­vie­ren kön­nen.

Wie funktioniert das genau?

Wer Lust hat mit­zu­ma­chen und ei­nen Kon­takt der teil­neh­men­den Ein­rich­tun­gen der gro­ßen Ca­ri­tas-Fa­mi­lie ver­mit­telt Hednrikje schreibtbe­kom­men möch­te, schreibt uns dazu eine Mail mit Na­men und Al­ter, ver­rät uns wo­her er/sie von der Ak­ti­on er­fah­ren hat und aus wel­cher Stadt die Post ver­schickt wird. Dann geht es ans Schrei­ben ei­nes Brie­fes oder ei­ner Post­kar­te. Wer mag, kann auch ein Bild ma­len, ein Ge­dicht auf­schrei­ben oder ein Foto mit­schi­cken. So­bald die Post fer­tig ist, wird sie durch die Teil­neh­men­den an die je­wei­li­ge Ein­rich­tung ge­schickt.

Soll das Projekt langfristig angeboten werden?

Durch die Ak­ti­on konn­te mitt­ler­wei­le schon Post an un­ge­fähr 300 Se­nio­ren und Se­nio­rin­nen zu­ge­stellt wer­den. Bei­spiels­wei­se be­rich­tet das St. Ale­xi­us Se­nio­ren­pfle­ge­heim in Ber­lin-Ho­hen­schön­hau­sen: Die Be­woh­ner und Be­woh­ne­rin­nen wa­ren alle sehr ge­rührt und ha­ben sich sehr ge­freut. Eine ganz be­son­de­re Ak­ti­on in die­ser so nicht ein­fa­chen Zeit. Dass un­se­re Bewohner*innen kei­nen Be­such mehr emp­fan­gen dür­fen, ist für alle schmerz­lich und da­her eine ge­lun­ge­ne Ab­wechs­lung und so­mit auch Kon­takt zur Au­ßen­welt.

Wir freu­en uns, dass wir so vie­le Men­schen zum Schrei­ben mo­ti­vie­ren kön­nen und hof­fen, dass die Ak­ti­on auch in Zu­kunft wei­ter­läuft und mög­li­cher­wei­se so­gar die eine oder an­de­re Brief­freund­schaft er­wächst.


Theresa schreibt
Susanne schreibt

En­ga­giert in der Co­ro­na­zeit | Gut & Um­ge­stellt
Fo­tos: @Walter Wetz­ler (Por­trait) & young­ca­ri­tas | Ak­tua­li­siert: 13.05.2020

 

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