Engagement & Wirtschaft
“Wenn es den dritten Sektor nicht gäbe …“ Gespräch
mit Bianca Richardt zum Roman Herzog Preis

Der Ro­man Her­zog Preis ist ein Preis für be­son­de­res ge­sell­schaft­li­ches En­ga­ge­ment in un­se­rer Stadt. All die­je­ni­gen Ber­li­ner Pro­jek­te, Ver­ei­ne, Stif­tun­gen, Or­ga­ni­sa­tio­nen und In­itia­ti­ven, die mit ih­rer In­no­va­ti­on, Ei­gen­in­itia­ti­ve und ih­rem Un­ter­neh­mer­tum die ge­sell­schaft­li­che Wei­ter­ent­wick­lung för­dern, kön­nen sich be­wer­ben. Der Preis­trä­ger er­hält ein Preis­geld von 20.000 Euro. Wir ha­ben mit Bi­an­ca Ri­chardt, Lei­te­rin des Be­rei­ches Stif­tun­gen der Ber­li­ner Spar­kas­se, über den Preis in Zei­ten von Co­ro­na ge­spro­chen.

Der Preis ist nach Roman Herzog, dem ehemaligen Bundespräsidenten zwischen 1994 und 1999 benannt. Wie kam es dazu?

Ro­man Her­zog war von 1999 bis 2015 der Vor­sit­zen­de des Ku­ra­to­ri­ums der Stif­tung Bran­den­bur­ger Tor – der Kul­tur­stif­tung der Ber­li­ner Spar­kas­se. Er war be­kannt da­für, dass er un­er­müd­lich Re­for­men an­ge­mahnt hat. Da­bei hat er re­gel­mä­ßig zur Mit­ge­stal­tung und Ei­gen­in­itia­ti­ve auf­ge­ru­fen. Das bür­ger­schaft­li­che En­ga­ge­ment im kul­tu­rel­len Le­ben Ber­lins lag ihm be­son­ders am Her­zen. Als Ro­man Her­zog 2015 aus Al­ters­grün­den sein Man­dat in der Kul­tur­stif­tung nie­der­leg­te, kam die Idee zu die­sem Preis. Sei­ne Ruck-Rede von 1997, die In­no­va­tio­nen for­dert, ist so ak­tu­ell wie noch nie – auch jetzt in Co­ro­na-Zei­ten.

Wer kann sich bewerben?

Alle, die sich mit her­aus­ra­gen­dem En­ga­ge­ment für die Wei­ter­ent­wick­lung der Ge­sell­schaft ein­set­zen – na­tür­li­che Per­so­nen ab 18 Jah­ren, Ver­ei­ne, Stif­tun­gen oder Un­ter­neh­men.

Angenommen ich habe ein Projekt, womit ich mich bewerben möchte. Wo und wie kann ich mich bewerben?

Auf der Home­page der Ber­li­ner Spar­kas­se ist ein Link zum Ro­man Her­zog Preis. Dort fin­dest du alle wich­ti­gen Hin­wei­se und das Be­wer­bungs­for­mu­lar, das du di­rekt aus­fül­len kannst. Dar­in wirst du un­ter an­de­rem zum Pro­jekt­in­halt ge­fragt, aber auch wie sich das Pro­jekt auf die Ge­sell­schaft aus­wirkt und wel­chen Vor­bild­cha­rak­ter das Pro­jekt für an­de­re Städ­te und Re­gio­nen in Deutsch­land hat.

Bei allen Preisen entscheidet eine Jury über die Preisträger, so auch beim Roman Herzog Preis. Wer sitzt in der Jury?

In der Jury sit­zen sie­ben Per­so­nen aus ver­schie­de­nen Be­rei­chen. Dar­un­ter fin­den sich un­ter an­de­rem der Vor­jah­res­sie­ger des Ro­man Her­zog Prei­ses, die Ge­schäfts­füh­re­rin und künst­le­ri­sche Lei­te­rin der Schle­si­schen 27 – Kunst und Bil­dung und die Ver­ant­wort­li­che für das Ge­sell­schaft­li­che En­ga­ge­ment un­se­res Dach­ver­bands DSGV.

Wann und wie wird der Preis verliehen?

Die Be­wer­bungs­frist en­det am 31. Mai. Die Preis­ver­lei­hung ist am 2. No­vem­ber bei ei­nem fei­er­li­chen Fest­akt im Max Lie­ber­mann Haus ge­plant. Ob das so statt­fin­den kann, wer­den wir noch se­hen.

Wenn es den dritten Sektor nicht gäbe, würde die Gesellschaft ganz anders aussehen

Welche Bedeutung hat das Engagement für dich persönlich?

Ich er­le­be durch mei­ne Ar­beit in drei Stif­tun­gen, dass sich die­se Ge­sell­schaft wei­ter­ent­wi­ckelt. Wenn es den drit­ten Sek­tor nicht gäbe, wür­de die Ge­sell­schaft ganz an­ders aus­se­hen. Durch den Ro­man Her­zog Preis wer­de ich im­mer wie­der an die In­no­va­ti­on er­in­nert, die in vie­len Pro­jek­ten steckt. Es gibt In­itia­ti­ven und Ide­en, die die Ge­sell­schaft vor­an­brin­gen und et­was für an­de­re tun. Das fin­de ich ganz groß­ar­tig.

Wie geht die Berliner Sparkasse mit der aktuellen Corona-Situation um?

Für uns ist es ak­tu­ell am wich­tigs­ten, für alle Kun­den da zu sein – und da­bei das An­ste­ckungs­ri­si­ko für Kund*innen und für Mitarbeiter*innen so ge­ring wie mög­lich zu hal­ten. Die Ber­li­ner Spar­kas­se ori­en­tiert sich da­bei an den Ent­schei­dun­gen des Se­nats. Als ers­tes Ber­li­ner Kre­dit­in­sti­tut ha­ben wir un­se­ren Firmenkund*innen eine sechs­mo­na­ti­ge Aus­set­zung der Til­gung und Zins­zah­lung ih­rer In­ves­ti­ti­ons­dar­le­hen er­mög­licht. Au­ßer­dem sind wir ein wich­ti­ger Part­ner in der Um­set­zung der Pro­gram­me von Bund und Län­dern.

Wir er­le­ben, dass die Men­schen in die­ser Si­tua­ti­on, so­wohl Firmenkund*innen, Freiberufler*innen, aber auch Privatkun­d*innen vie­le Fra­gen ha­ben. Da sind wir für das Ge­spräch da. Wir hat­ten in den letz­ten Jah­ren be­reits Whats­App und ei­nen Live-Chat ein­ge­führt. Die­se kon­takt­lo­sen Ka­nä­le so­wie die Te­le­fo­nie ha­ben wir ver­stärkt und da­für der­zeit we­ni­ger Stand­or­te ge­öff­net.

Was haben Sie aus der Situation gelernt/mitgenommen?

Ich den­ke dar­über nach, wie wird das mal sein? Ich den­ke, das Le­ben wird nicht mehr so zu­rück­kom­men, wie es ein­mal war. Ich hof­fe sehr, dass wir alle et­was ler­nen. Vor al­lem die So­li­da­ri­tät, die wir ge­ra­de er­le­ben, die Acht­sam­keit im Um­gang mit­ein­an­der und auch den Wert un­se­rer Ge­sund­heit an­ders zu schät­zen und bei­zu­be­hal­ten.


En­ga­giert in der Co­ro­na­zeit | Wirt­schaft & En­ga­ge­ment
Ak­tua­li­siert: 11.05.2020

 

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