Engagement & Wirtschaft
Wie die Pro Bono Rechtsberatung Non-Profits unterstützt. Ein Gespräch mit Ellen Sturm, UPJ Senior Projektmanagerin

Die Pro Bono Rechts­be­ra­tung ver­mit­telt er­fah­re­ne Rechtsanwält*innen en­ga­gier­ter Kanz­lei­en an Non-Pro­fit-Or­ga­ni­sa­tio­nen. Die Kanz­lei­en un­ter­stüt­zen bei kon­kre­ten Rechts­fra­gen un­ent­gelt­lich und zeit­lich be­grenzt, wenn die Or­ga­ni­sa­tio­nen ihre Rechts­fra­gen nicht an­der­wei­tig klä­ren kön­nen. Das An­ge­bot wird von UPJ ge­mein­sam mit dem Pro Bono Deutsch­land e.V. und vie­len Rechts­an­walts­kanz­lei­en ge­tra­gen. Wir ha­ben die Se­ni­or Pro­jekt­ma­na­ge­rin El­len Sturm be­fragt, wie die UPJ Pro Bono Rechts­be­ra­tung Non-Pro­fits un­ter­stüt­zen kann.

UPJ Pro Bono

Wie geht es Ihnen als Organisation in dieser Coronazeit?

UPJ als Trä­ger der Pro Bono Rechts­be­ra­tung hat si­cher­lich, wie vie­le an­de­re Or­ga­ni­sa­tio­nen auch, mit neu­en Her­aus­for­de­run­gen zu tun, sei es, dass be­an­trag­te Pro­jek­te oder Ver­an­stal­tun­gen nicht wie ge­plant durch­ge­führt wer­den kön­nen, Teams im Ho­me­of­fice not­wen­di­ge tech­ni­sche Rah­men­be­din­gun­gen und Un­ter­stüt­zung so­wie be­son­de­ren Fo­kus und Ori­en­tie­rung brau­chen usw..

Trotz der Schwie­rig­kei­ten, die mit die­sen Zei­ten ver­bun­den sind, ge­hen wir mit ei­ner po­si­ti­ven Hal­tung an die­se Si­tua­ti­on her­an und be­grei­fen die Ver­än­de­run­gen als Chan­ce, um Din­ge neu und an­ders zu den­ken und den ver­än­der­ten Be­dar­fen zu ent­spre­chen. Hier ha­ben wir er­fah­ren, wie wich­tig die Ver­än­de­rungs- und Lern­be­reit­schaft so­wie die Mo­ti­va­ti­on al­ler Mit­ar­bei­ter*in­nen sind, um ge­mein­sam die Kri­se zu meis­tern. Das schweißt zu­sam­men und er­mög­licht auch Din­ge, die wir vor­her auf die­se Wei­se nicht auf dem Schirm hat­ten. Und das stärkt die Or­ga­ni­sa­ti­on ins­ge­samt.

Mit die­ser po­si­ti­ven En­er­gie im Rü­cken ist es der UPJ Pro Bono Rechts­be­ra­tung ge­lun­gen, sehr schnell ein be­darfs­ge­rech­tes An­ge­bot auf­zu­bau­en, um ge­mein­nüt­zi­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen bei ih­ren ak­tu­el­len Her­aus­for­de­run­gen zu un­ter­stüt­zen und re­le­van­te In­for­ma­tio­nen rund um COVID-19 zur Ver­fü­gung zu stel­len. Und auch die be­tei­lig­ten Pro-bono-Kanz­lei­en sind in die­sen Zei­ten be­son­ders en­ga­giert und be­reit, sich für die Rechts­be­ra­tungs­be­lan­ge von ge­mein­nüt­zi­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen ein­zu­set­zen. Mo­men­tan gibt es hier et­was mehr freie Res­sour­cen, um sich ver­stärkt pro bono-Fra­ge­stel­lun­gen zu wid­men.


Wie funktioniert die Pro-bono-Rechtsberatung genau und wer wendet sich an Sie?

Die Pro-Bono-Rechts­be­ra­tung rich­tet sich an ge­mein­nüt­zi­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen (kei­ne Pri­vat­per­so­nen), die in Deutsch­land tä­tig sind oder dies an­stre­ben und nicht in der Lage sind, fi­nan­zi­el­le Mit­tel für die Rechts­be­ra­tung auf­zu­wen­den.

UPJ prüft die­se Punk­te und be­rei­tet die Pro-bono-An­fra­gen für die Ver­mitt­lung an Kanz­lei­en auf. Im nächs­ten Schritt wer­den die Fra­ge­stel­lun­gen an den Kanz­lei­ver­tei­ler wei­ter­ge­lei­tet, wor­auf­hin sich die Kanz­lei­en für die aus­ge­schrie­be­nen Man­da­te be­wer­ben kön­nen. In­ter­es­siert sich eine Kanz­lei für ein Man­dat, in­for­miert UPJ die Or­ga­ni­sa­ti­on. Für den Fall, dass sich zwei oder mehr Kanz­lei­en auf ein Man­dat be­wer­ben, ent­schei­det die Or­ga­ni­sa­ti­on, mit wel­cher Kanz­lei sie zu­sam­men­ar­bei­ten möch­te. Da­nach stellt UPJ den Kon­takt her. Die Kanz­lei prüft dann ih­rer­seits, ob die Zu­sam­men­ar­beit ih­ren in­ter­nen Vor­ga­ben und be­rufs­recht­li­chen Vor­schrif­ten ent­spricht, und dann schlie­ßen die Part­ner eine Man­dats­ver­ein­ba­rung ab und star­ten ihre Zu­sam­men­ar­beit.

Der be­schrie­be­ne Ver­mitt­lungs­pro­zess kann mit­un­ter bis zu 6-8 Wo­chen dau­ern, wes­halb kurz­fris­ti­ge An­fra­gen nicht ver­mit­telt wer­den kön­nen. Pro Ver­mitt­lungs­fall wird eine sym­bo­li­sche Ge­bühr er­ho­ben, die der Ernst­haf­tig­keit der Pro-Bono-Ar­beit auch auf Sei­ten der NPO stär­ke­ren Aus­druck ver­leiht. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen, De­tails zum Ab­lauf und der Link zum On­line-For­mu­lar zur An­mel­dung ei­ner Rechts­fra­ge fin­den in­ter­es­sier­te Non-Pro­fits un­ter probono-rechtsberatung.de/npo.

Wie lange begleiten Sie die Non-Profit-Organisationen?

Un­se­re Be­glei­tung be­ginnt mit der An­mel­dung der Rechts­fra­gen über das On­line-For­mu­lar. Wenn es hier Un­klar­hei­ten be­züg­lich des be­schrie­be­nen Sach­ver­hal­tes gibt, un­ter­stützt UPJ da­bei, die Fra­ge­stel­lung zu kon­kre­ti­sie­ren. Wir schät­zen zu­dem den un­ge­fäh­ren zeit­li­chen Um­fang ein und ord­nen die Fra­ge ei­nem Rechts­ge­biet zu. Dann be­rei­ten wir die Man­da­te so auf, dass die Kanz­lei­en sie di­rekt ein­ord­nen kön­nen und die Ver­mitt­lungs­wahr­schein­lich­keit er­höht wird.

Nach­dem Kanz­lei und ge­mein­nüt­zi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on „ge­matcht“ sind und die Man­dats­ver­ein­ba­rung ab­ge­schlos­sen ist, en­det die Tä­tig­keit von UPJ. Die Be­ra­tung durch die Kanz­lei un­ter­liegt be­rufs­recht­li­chen Vor­schrif­ten auch im Hin­blick auf die Be­ar­bei­tung von Man­da­ten. Et­wai­ge auf­tre­ten­de Schwie­rig­kei­ten müs­sen die Man­dan­ten di­rekt mit der Kanz­lei klä­ren. Mit Be­en­di­gung des Man­dats be­fra­gen wir die ge­mein­nüt­zi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on und bit­ten sie um ihr Feed­back und ei­nen Hin­weis auf das Ver­hal­ten der Kanz­lei.

Haben sich die Bedarfe während der Corona-Zeit verändert und wie merken Sie das?

Die pan­de­mie­be­dingt ver­än­der­ten Le­bens- und Ar­beits­be­din­gun­gen stel­len - wie ein­gangs schon er­wähnt - vie­le Or­ga­ni­sa­tio­nen vor neue Her­aus­for­de­run­gen. Ak­tu­el­le Rechts­be­ra­tungs­be­dar­fe be­stehen vor al­lem im Be­reich Ar­beits­recht, bei Haf­tungs­fra­gen im Fall von Ver­an­stal­tungs­ab­sa­gen oder In­sol­venz, bei Fra­gen zur Be­schluss­fas­sung in Ver­ei­nen etc. Dem in die­sen Be­lan­gen stei­gen­den Be­ra­tungs­be­darf sei­tens ge­mein­nüt­zi­ger Or­ga­ni­sa­tio­nen steht ein gro­ßer Pool an In­for­ma­tio­nen von Sei­ten en­ga­gier­ter Kanz­lei­en ge­gen­über, die ge­nau zu die­sen Sach­ver­hal­ten Aus­kunft ge­ben.

Dass es hier Be­darf gibt, mer­ken wir auch an den ho­hen An­mel­de­zah­len für We­bi­na­re, die wir ge­mein­sam mit den Kanz­lei­en sehr schnell zu die­sen The­men an­bie­ten konn­ten. Par­al­lel zu den Fra­gen im Zu­sam­men­hang mit den Fol­gen der CO­VID-19-Pan­de­mie, er­rei­chen uns täg­lich aber auch „re­gu­lä­re“ Rechts­fra­gen, die alle Rechts­ge­bie­te um­span­nen, an­ge­fan­gen beim Steu­er- und Ge­mein­nüt­zig­keits­recht über Da­ten­schutz­recht bis hin zum Zu­wen­dungs- und Ver­ga­be­recht.

Wie kommunizieren Sie diese speziellen Angebote zur Coronazeit?

Die UPJ Pro Bono Rechts­be­ra­tung hat auf ih­rer Home­page eine neue Sei­te probono-rechtsberatung.de/corona ein­ge­rich­tet, auf der re­le­van­te In­for­ma­tio­nen und ge­ziel­te Un­ter­stüt­zungs­an­ge­bo­te im Rechts­be­reich ge­bün­delt sind. Die Lis­te wird lau­fend ak­tua­li­siert. Auf spe­zi­el­le We­bi­nar-An­ge­bo­te, die ak­tu­el­le recht­li­che Fra­ge­stel­lun­gen the­ma­ti­sie­ren, wird hier eben­falls hin­ge­wie­sen – also ins­ge­samt ein gu­ter Fun­dus, um sich di­rekt ori­en­tie­ren zu kön­nen.

Wie können Freiwillige Sie, auch während der Corona-Zeit, unterstützen?

En­ga­gier­te Per­so­nen kön­nen wir der­zeit nicht an­ge­mes­sen ein­set­zen und be­treu­en. Aber nicht nur ge­mein­nüt­zi­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen, auch Un­ter­neh­men fin­den bei UPJ zu al­len The­men rund um En­ga­ge­ment, Nach­hal­tig­keit und Ko­ope­ra­ti­on in der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on qua­li­fi­zier­te In­for­ma­tio­nen und gute Bei­spie­le auf wirbleibenengagiert.de so­wie Be­ra­tung und Ver­mitt­lung zu ge­mein­nüt­zi­gen Ko­ope­ra­ti­ons­part­nern in Ber­lin-Bran­den­burg und bun­des­weit.


Hand hält Paragraphen Symbol in Sonne

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Foto(grafiken): Pro Bono Rechts­be­ra­tung UPJ | Ak­tua­li­siert: 17.05.2020

 

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